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Verschwörungstheoretiker machen Tod von Verschwörungstheoretiker zur Verschwörung

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Am 13. Januar 2017 ist der ehemalige Journalist und Buchautor Udo Ulfkotte im Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Quelle: http://ulfkotte.de/10.html
Quelle: http://ulfkotte.de/10.html

 

In der Szene für politische Verschwörungstheorien war Herr Ulfkotte mit seinen angeblichen sowie umstrittenen Enthüllungen bekannt und beliebt. Ausgerechnet jene Szene versucht nun seinen Tod regelrecht standesgemäß für einen prominenten Verschwörungstheoretiker zu inszenieren.

Auf der Internetpräsenz BlastingsNews hegt man Zweifel an seinem Tod ohne Fremdeinwirkung.

Trotz alles Leides und Schmerzes sollten alle, die Udo Ulfkotte kannten und liebten auf eine Autopsie bestehen. Am besten im neutralen Ausland und durch mehrere Pathologen. Es gibt einfach zu viele Menschen und Strukturen, die ein Interesse hatten, dass Ulfkotte von der Bildfläche verschwindet. Vermutlich wird sich dieser Fall jedoch verlaufen, wie so viele zuvor. Möglicherweise, auf diese Idee kann man kommen, ist Ulfkottes Tod auch eine Warnung an alle Kopp-Autoren, sich besser zurückzuhalten und die Kreise der wahrhaft Mächtigen nicht zu stören. #Mord #ermordet

Quelle: http://de.blastingnews.com/politik/2017/01/udo-ulfkotte-ist-tot-war-es-ein-mord-als-warnung-001378265.html

Diese Quelle besitzt kein Impressum, gibt immerhin eine Kontaktadresse (Blasting Sagl Via Collina 1/A
6816 Bissone, Switzerland) an und wird auf italienischen Servern gehostet. Als verantwortliche Person für das Onlineangebot wird Marco Fiorentino angegeben. Die Spekulation bleibt ohne Indizien, konstruiert dennoch ansatzweise eine Verschwörung  und wirkt gerade wegen der Forderung nach einer Autopsie irgendwie pietätlos.

Konkreter will es offensichtlich die Internetpräsenz Gegenfrage.com wissen:

Der US-Geheimdienst CIA verfügt seit 1975 über eine Herzinfarkt-Waffe. Diese feuert einen winzigen Pfeil ab, der Kleidung durchdringt und dem Opfer Gift injiziert. Nur Momente später erleidet dieses einen Herzinfarkt. Das Gift verflüchtigt sich sofort und kann in einer Autopsie nicht mehr nachgewiesen werden.

Quelle: Gegenfrage.com

Mit der Waffe wird ein kleiner giftiger Pfeil auf das Opfer abgefeuert, wodurch dieses einen Herzanfall erleidet. Der Pfeil durchdringt Kleidung und hinterlässt bis auf einen kleinen roten Punkt auf der Haut keinerlei Spuren. Der Pfeil gibt tödliches Gift in die Blutbahn ab, was nur Momente später einen Herzinfarkt verursacht. Kurz darauf zerfällt der Pfeil vollständig.

Dass die CIA eine Herzinfarkt- Waffe besitzen und sogar eingesetzt haben soll, bleibt ohne jeglichen Beweis, dafür wird allerdings daraus eine hoch spekulative Behauptung. Eine wissenschaftliche Begründung, wie das funktionieren soll, bleibt der unbekannte Autor schuldig. Immerhin existiert ein Impressum für die Internetpräsenz. Vom Autor des Artikels ist nur das Pseudonym Bürgender angegeben.

Die Internetpräsenz ist sogar auf einem deutschen Server gehostet und die verantwortliche Person ist Rene Muennich (Neue Medien Muennich GmbH). Der Name des kürzlich verstorbenen Udo Ulfkotte taucht an keiner Stelle im Artikel auf. Der Zusammenhang wird per Verlinkungung aus sozialen Netzwerken hergestellt, die sich mit dem Tod von Herrn Ulfkotte beschäftigen, dass der Artikel kurioserweise am 14. Januar 2017 verfasst wurde, also einen Tag nach dem Tod von Udo Ulfkotte und der Herbeiführung eines unnatürlichen Herzinfarkt- Todes.

https://www.facebook.com/groups/1380776162136226/permalink/1854559301424574/
Quelle: Facebook

Ist es möglich mit einem Giftpfeil einen Herzinfarkt- Tod zu erreichen?

Die möglichen Ursachen eines Herzinfarktes noch einmal im Überblick:

Atherosklerose (Arterienverkalkung)

Embolie (Verschleppung eines Blutgerinnsels)

Thrombose (Lokale Bildung eines Blutgerinnsels)

Gefäßkrampf (Vasospasmus)

Quelle: Gesundheit.de

Also ein Giftpfeil würde demnach keinen Herzinfarkt auslösen können. Jedenfalls nicht ein solcher, wie im Artikel beschrieben wird. Typisch für Verschwörungstheorien und auch in diesem Falle angewendet sind Schlussfolgerungen, deren Beweis nicht geliefert, sondern durch weitere plausibel klingende, meist pseudo- wissenschaftliche Aussagen, zu untermauern versucht wird. Man hofft auf die Trägheit der Leser, dass diese die meist wirren und komplizierten Zusammenhänge nicht nach recherchieren würden. Eigentlich erübrigt sich jetzt schon, diese Verschwörungstheorie über die Herzinfarkt- Pistole widerlegen zu müssen. Da sie aber als Grundlage für eine neue Verschwörungstheorie zum Tode von Udo Ulfkotte herangezogen wird, darf man ruhig etwas genauer hinsehen.

Nicht erwähnt wird allerdings, um welches Gift es dabei geht, das anschließend nicht nachgewiesen werden kann. Möglicherweise existieren Medikamente, die das Blut in kurzer Zeit so verändern (verdicken), dass es zu einem echten Herzinfarkt kommt, der bei einer Autopsie als ein solcher bestätigt wird.

Das Zugeständnis, dass man eigentlich über etwas berichtet, was man nicht ansatzweise belegen kann, wird in skurriler Weise dafür verwendet, um den Herzinfarkt- Tod irgendwie mit dem Giftpfeil in Verbindung zu bringen. Herzinfarkte lassen sich übrigens bei einer Autopsie nachweisen, aber dadurch dass kein Gift dabei gefunden wird, bedeutet das noch lange nicht, dass dadurch der Nachweis erbracht wurde, dass mit einer nicht pathologisch nachweisbaren Substanz getötet wurde. Auf eine solche Beweislastumkehr muss man erst einmal kommen…

Beim Pfeil handelt es sich laut einer CIA-Mitarbeiterin um eine tiefgefrorene Form des flüssigen Giftes, die im Körper schmilzt. Übrig bleibt nach dem Mord dann nur ein winziger, roter Einstichpunkt. Wie dieser Pfeil es allerdings schafft die Kleidung zu durchdringen, wird im Video nicht erklärt.

Die Utopie des Tötungs- Szenarios mit einem Giftpfeil, der keine nachweisbaren Spuren hinterlässt, liefert die Erklärung selbst. Würde es technisch gelingen, einen winzigen Pfeil durch Gefrieren einer Substanz zu erzeugen, der Kleidung und Körper durchdringt, müsste die Dichte des Pfeilmaterials enorm sein. Denn entweder der Druck des Abschusses würde den winzigen Pfeil schon bei Austritt aus der Pistole zerfetzen oder auch nicht unwesentlich sind auch die Reibungskräfte, die binnen Sekunden eine gefrorene Flüssigkeit wieder in den ursprünglichen Aggregatzustand überführen würden. Natürlich wird auch nicht genannt, welche CIA- Mitarbeiterin diesen Blödsinn erzählt haben soll.

Auch der russische KGB arbeitete nach einer ähnlichen Methode. Im Jahr 1959 wurde der in München im Exil lebende Politiker Stepan Bandera von KGB-Profikillern mit einer pistolenähnlichen Waffe ermordet.

Schließlich will man auch die angebliche Wunderpistole irgendwie plausibel in Szene setzen. Tatsächlich wurde jener Stepan Bandera vom KGB erschossen. Mit einer pistolenähnlichen Waffe, die Blausäuregas versprühte, wurde der Aktivist 1959 getötet. Es war eine Cyanidvergiftung, die definitiv keinen Herzinfarkt auslöste und aufgrund des flüchtigen Zustandes der Substanz nie hätte als mikroskopisch kleiner Pfeil konstruiert werden können.

Möge Herr Ulfkotte in Frieden ruhen und seine Gefährten zu Lebzeiten sollten sich wenigstens etwas Mühe geben, wenn sie schon auf dem Tod eines Buchautors für Verschwörungsromane eine ebensolche konstruieren…

 

 

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Fake- Plakat gegen Bündnis 90 /Die Grünen

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Nach dem Affront gegen Renate Künast mit einem Bild, wo ihr ein Text angedichtet wurde, den sie nie gesagt hat, bleibt die Partei Bündnis 90 /Die Grünen weiterhin im Visier der Fake- Produzenten.

Quelle: Facebook

Das Bild kursiert mindestens schon seit 2009 durchs Internet und findet sich vorwiegend auf russisch- sprachigen Seiten. Es handelt sich vermutlich um eine Schülerfoto aus Oslo. Ursprünglich sollte es augenscheinlich die Kuriosität aufzeigen, dass ausgerechnet in Skandinavien eine Mädchenklasse nicht vorwiegend blond und blauäugig sein muss. Der rassistische Hintergrund wurde erst mit der Verbreitung des Bildes hergestellt.

Der Verschwörungsblog Norwegian Defense griff das Bild für politische Propaganda- Zwecke als wahrscheinlich erste deutschsprachige Internetpräsenz auf.

Hier ist das Originalfoto auf einer russischen Bilderseite erstmals aufgetaucht:

Quelle: http://kurez.com/27

Die Fake- Modifikation auf dem Facebook- Profil des Herrn Burkhard Gerheim hat sich in nur 2 Stunden bereits 82 mal weiter verbreitet. (In 15 Stunden schon 520 mal.)Die Kombination aus Bild und Text ist also ein typisches Fake und eigentlich ziemlich offensichtlich. Dennoch befüllen sich die Kommentarspalten mit heftigen Schmähungen mit zuweilen strafrelevanten Texten, wie es übrigens der Beitrag selbst ebenfalls erfüllen dürfte…

Direktlink zum Facebook- Beitrag

(Anmerkung: Auf Verlinkungen zu Facebook- Profile kann keine Gewähr übernommen werden, dass sie dauerhaft erreichbar bleiben, verändert oder gesperrt werden.)

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Opfer der Kölner Silvesternacht sollen Klappe halten!

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In den sozialen Medien kursiert ein Schreiben, welches Frauen, die wegen sexueller Übergriffe während der Vorkommnisse an Silvester 2016 in Kölner Kliniken behandelt wurden, zur Verschwiegenheit zwingen soll. Lieber Herr Kautz, Sie sollten so etwas nicht verbreiten und sogar andere dazu aufrufen, es ebenfalls zu tun! Eigentlich jährte sich dieses bereits entlarvte Fake gerade, aber offensichtlich deswegen kommt das Schreiben passend zu Silvester erneut in Umlauf.

Die grammatikalischen Defizite im Schreiben deuten bereits auf eine dreiste Fälschung hin.

zu Allen Vorgängen” müsste korrekt lauten “zu allen Vorgängen“.

Pressse” müsste korrekt so geschrieben werden: “Presse“.

Den angeblich vertretungsberechtigten Geschäftsführer gibt es nicht.

Zur Bestätigung ist hier noch die Stellungnahme der Kölner Kliniken auf meine Emailanfrage diesbezüglich:

 

 

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Muslimisches Armageddon in Deutschlands Erdreich

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Haarsträubende Geschichten können offensichtlich nicht absurd genug sein, dass sich nicht einige Intelligenzbefreite finden würden, sie zu glauben und sogar weiter zu erzählen.

 

Es geht hier um die Lebensbeichte von Dr. Austeja Emilija Dominykas, die sie jetzt im September 2016 veröffentlicht hat. Sie war Ingenieurin, die Untergrundbasen in Deutschland mit konstruiert hat, welche mit Moscheen, Halal-Nahrung, Bildschirmen und allen Annehmlichkeiten des Lebens für die Moslems ausgestattet sind! Sie dienen als unterirdische Kasernen für eine mörderische islamische Armee, die gerade gegen uns in Stellung gebracht wird.

 

Quelle: http://nick-knatterton.blogspot.de/2016/09/alarmstufe-rot-eine-whistleblowerin_23.html

Ein Artikel, der auf einem Blog erscheint, dessen Betreiber kein Impressum anbietet und sich als die Comicfigur Nick Knatterton ausgibt, verdient natürlich eine absolute Vertrauensstellung in der ansonsten so unglaubwürdigen Lügenpresse- Landschaft.

Die Originalquelle scheint ein YouTube- Video zu sein, worin eine Email einer Frau Dr. Austeja Emilija Dominykas vorgelesen wird. Wer ist also diese Frau?

Keine spezielle Personensuchmaschine kann mit diesem Namen etwas anfangen. Man kann demnach davon ausgehen, dass es sich um einen Phantasienamen handelt. Konventionelle Suchmaschinen liefern allesamt nur Ergebnisse zu dieser ominösen Email einer Person, die nicht zu verifizieren ist. Die Email selbst wird dabei nicht gezeigt, wobei deren Meta- Daten sicher aufschlussreich sein könnten. So betrachtet, kann sogar angezweifelt werden, dass es diese Email überhaupt gibt. Die gesamte Story baut also auf einer Geschichte auf, die irgendjemand irgendwem erzählt hat und ungeprüft weiter verbreitet wird.

Die angebliche Email beinhaltet so ziemlich alle abstrusen Theorien diverser Verschwörungstheorien, die seit Jahrzehnten in entsprechenden Kreisen immer wieder ausgeschmückt werden. Darauf im Einzelnen einzugehen, würde nur etliche bereits veröffentlichte seriöse Widerlegungen bestätigen.

Da ich persönlich nicht allzu weit weg von Simmern wohne und auch dort in der Gegend schon öfters unter anderem mit dem Rad unterwegs war, ist es naheliegend, diesen angeblich ersten Standort für dieses absonderliche Projekt genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass ein solches Bauvorhaben enorme Erdmassen bewegen und abtransportieren muss, sollte selbst einem Laien bewusst sein. Es gibt jedoch keine auffälligen Aufschüttungen, welche ja enorme Ausmaße haben dürften und nicht unentdeckt bleiben würden. Der Abtransport per LKW weiter weg, wäre ebenfalls bei solchen Mengen auffällig gewesen.

Es gab jedoch Probleme mit dem vielen Erdaushub. Allein durch Verdichtung und Ausflötsen, wie es normale Anlagen vorsahen, kamen wir nicht weiter, daher wurde er mit Hilfe von Tiefbrunnenwasser und Steinschreddern hochgepumpt und in den umliegenden Wäldern verteilt.

Der merkwürdig klingende Begriff “Ausflötsen” gibt es gar nicht. Man könnte ihn bestenfalls vom Begriff “Flöz” ableiten, wobei die angebliche Ingenieurin ausgerechnet bei einem Ausdruck aus ihrem Fachjargon einen kapitalen Rechtschreibfehler begangen hätte.  Das erscheint eher unwahrscheinlich, da die angebliche Email trotz ihres Umfangs recht wenig grammatikalische Beanstandungen zulässt. Auch die Kombination aus Tiefbrunnenwasser mit Steinschredder- Maschinen klingt absonderlich, da zerkleinerte Steinmassen eigentlich trocken auf Förderbändern wegtransportiert werden. Der Aufwand, diese mit Wasser unter extrem hohem Druck an die Erdoberfläche zu befördern, wäre ungleich höher und kaum praktikabel.  Ein weiterer Satz aus der angeblichen Email ist in diesem Zusammenhang besonders entlarvend:

2004 waren 12 Kammern in Sohle 3, 70 Meter tief im Hunsrücker Gestein, gegraben worden.

Von einer Ingenieurin (“Ich bin beruflich Ingenieurin für Tunnelbau, von Überdruck/Armierungsanlagen. Zu deutsch: Konstrukteurin von Tiefbunkeranlagen.”) hätte man sich doch präzisere Angaben bei Angaben aus dem Spezialgebiet der Protagonistin erhofft. Sie bleibt allerdings auffallend oberflächlich und unkonkret. Die Rede ist lediglich lapidar von “Hunsrücker Gestein“. Schaut man sich diverse Bauvorhaben im Raum Simmern der letzten Jahre an, wird man feststellen, dass die Bodenbeschaffenheit in und um Simmern für derart gigantische unterirdische Bauvorhaben kaum geeignet ist.

Mit nahezu unverändert niedrigen Schlagzahlen von n10 ≈ 1 – 6 und der damit ver-
bundenen geringen Bodenfestigkeit folgt darunter bis in eine Tiefe von minimal 4,6 m
(DPH III) und maximal rd. 4,9 m (DPH I) der Auensand und -lehm (Schicht 3).
Unterhalb dieser Tiefen wurde bis zur jeweiligen Endteufe ein sprunghafter Anstieg
der Schlagzahlen auf Werte von n10 ≈ 15 – 40 registriert. Dies entspricht erfahrungs-
gemäß einer dichten bis sehr dichten Lagerung und repräsentiert den unterlagern-
den Nahekies und Fels (Schicht 4). Die Rammsondierungen mussten aufgrund des
sehr großen Eindringwiderstandes in Tiefen von minimal 4,2 m (DPH II) und maximal
5,2 m (DPH I) mit Schlagzahlen n10 > 80 vermutlich wegen größerer Steine oder Blö-
cke abgebrochen werden, Der unterlagernde Fels wurde durch die Rammsondierun-
gen vermutlich nicht mehr erreicht. 

Quelle: GUG Gesellschaft für Umwelt- und Geotechnik mbH

Das ist ein Auszug aus einem geotechnischen Bericht für den Neubau eines Klinikverwaltungsgebäudes in Simmern, der präzise die Situation für ein deutlich weniger anspruchsvolles Bauvorhaben darstellt. Ein Projekt, wie es von der imaginären Frau Dr. Austeja Emilija Dominykas beschrieben wird, ist eher in dieser Gegend nicht zu realisieren. Auch die weiteren spärlichen Ausführungen zu diesem einen von angeblich 7 spektakulären Großprojekten sind nicht plausibel.

Typisch für derartige Verschwörungstheorien, und daran gibt es keinen Zweifel, sind eben jene wenig konkreten Angaben, wenn es um Sachverhalte geht, die leicht zu überprüfen wären. Es wäre schließlich beim Umfang dieses Pamphlets nicht darauf angekommen, die genauen Standorte für die angeblichen Bunkerkomplexe zu nennen. Stattdessen bleiben Verschwörungstheoretiker bei Sachverhalten, welche sie leicht entlarven würden, lieber unkonkret und überlassen es den Zweiflern, solche Dinge mühsam zu widerlegen. Eigentlich jedoch müssten jene Leute, die solche weltverändernten Geschichten erzählen, großen Wert darauf legen, dass Nachweise erbracht werden. Da es diese allerdings nicht gibt, konzentriert man sich um Rahmenhandlungen, die wiederum massiv mit plausibel klingenden Mutmaßungen zu Pseudofakten aufgebläht werden.

ES WURDE EINE KOMPLETTE MOSCHEE INSTALLIERT, WIE IN ALLEN STANDORTEN, MIR FIEL INSBESONDERE AUF, DASS BEI DER GEFRIERNAHRUNG SEHR DARAUF GEACHTET WURDE, DASS SIE HALAL GEEIGNET WAR UND NIEMALS SCHWEINEFLEISCH ENTHIELT.

Diese Einzelheiten, die so überhaupt nichts mit dem Betätigungsfeld einer “Konstrukteurin von Tiefbunkeranlagen” zu tun haben, werden detailfreudig ausgeschlachtet. Eine schlichte Frage an alle Maurer, Zimmerleute und sogar Trockenbauer, deren Tagesgeschäft es ist, Häuser und Wohnungen zu bauen:

Wer ist schon dabei, wenn der neue Eigentümer seinen Kühlschrank befüllt?

Es ist bei solchen Geschichten sinnvoll, Einzelheiten zu hinterfragen, die man sich selbst mit halbwegs klarem Verstand beantworten kann. Der folgende Satz bietet sich regelrecht dazu an:

Juni 2012 wurde ich zudem Projektleiterin im “Planungsstab Neues Europa” und von dort an ging es mit mir gesundheitlich bergab.

Wie plausibel erscheint der Umstand, dass man für ein politisches Unterfangen von mindestens europäischer Tragweite eine Ingenieurin für Tiefbunkeranlagen zur Projektleiterin ernennt?

Es fehlen jegliche Quellenangaben zu den abenteuerlichen und bisweilen bizarren Ausführungen dieser imaginären Frau Dr. Austeja Emilija Dominykas. Einschlägige Internetpräsenzen aus der Rechtspopulisten- und Reichsbürgerszene verlinken eifrig gegenseitig, jedoch außer der Ursprungsquelle http://zerberster.org, welche direkt zum Videokanal der Kunstfigur Brandon Lakefield verlinkt ist, gibt es keine nachprüfbaren Quellen. Hinter dem Pseudonym Brandon Lakefield soll sich übrigens Jakob Straub aus dem pfälzischen Altenglan verbergen…

 

 

 

 

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Geschäftsmodell Refugee

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Der AfD- Politiker Petr Bystron vom Landesverband Bayern verbreitet seit dem 28. Dezember 2016 ein kühnes Statement über den Berlin- Attentäter Anis Amri im Speziellen und generell über ein angebliches Geschäftsmodell von Asylbewerbern.

Quelle: Petr Bysron

Quelle: Facebook- Profil

Als Ahmed Almasri bekam er finanzielle Leistungen in Oberhausen.

Quelle: DerWesten

Bei der Berliner Staatsanwaltschaft wurde Amri bereits 2015 aktenkundig. Auf dem Gelände des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), wo der Tunesier offenbar unter dem Namen “Ahmad Zaghoul” auftrat, soll Amri einem Wachmann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil “Zaghoul” nicht auffindbar war.

Quelle: SpiegelOnline

Betrachtet man das Bild genau, taucht die Identität Ahmed Almasri doppelt auf. An anderer Stelle ist von 8 Identitäten die Rede:

Es sind insgesamt acht Alias-Namen bekannt, unter denen der spätere Attentäter unterwegs war: Ahmad Zarzour, Mohammed Hassa, Ahmed Almasri, Anis Amir, Ahmed Almasri, Mohammad Hassan, Ahmad Zaghoul und Anis Amri.

Quelle: Halternerzeitung

Neben der korrekten Identität Anis Amri werden demnach noch 7 weitere bestätigt. Somit hat Herr Bystron gar nicht so falsch gelegen, eigentlich sogar untertrieben, wobei auch die Halterner Zeitung offensichtlich nicht bemerkt hat, dass die Identität Ahmed Almasri doppelt auftaucht.

Dieser Teil des Beitrags jenes AfD- Politikers ist also weitgehend richtig.

Doch inwieweit und wie viel Sozialleistungen hat Anis Amri unrechtmäßig bezogen? Herr Bystron behauptet, dass monatelang für 7 verschiedene Identitäten an Anis Amri Sozialleistungen ausgezahlt wurden. Als Quellen für diese Behauptungen führt Petr Bystron folgende Medien auf:

Bei der FAZ klingt das so:

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft hatte Amri im November 2015 unter zwei Namen Sozialleistungen in Emmerich und in Oberhausen beantragt.

Und bei RP- Online steht:

Die mehrfachen Identitäten des mutmaßlichen Berliner Attentäters Anis Amri sind den deutschen Ermittlungsbehörden nach “Spiegel”-Informationen schon längere Zeit bekannt gewesen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg habe im April 2016 ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen Amri eröffnet, weil er für einen kurzen Zeitraum im November 2015 mehrfach Sozialleistungen bekommen habe, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe.

Die Original- Quelle für den Sozialbetrug ist somit SpiegelOnline:

Nach Informationen des SPIEGEL eröffnete die Staatsanwaltschaft Duisburg im April 2016 ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen Anis Amri, weil er für einen kurzen Zeitraum im November 2015 mehrfach Sozialleistungen bekam.

Bei einer Unterbringung in Aufnahmeeinrichtungen im Sinne von § 44 Asylgesetz, beispielsweise Erstaufnahmeeinrichtungen und Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen, wird der notwendige Bedarf (physisches Existenzminimum) an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung und Gesundheitspflege sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgütern des Haushalts durch Sachleistungen gedeckt. Alleinstehende Leistungsberechtigte erhalten seit dem 24.10.2015 monatlich 135 € für den persönlichen Bedarf an Geldleistungen.

Aus den Berichten der Medien, auf welche sich Herr Bystron bezieht, geht nicht hervor, dass der Tunesier für 7 Identitäten Sozialleistungen erschwindelt hatte. Wählt man die möglichen Zeiträume großzügig und legt diesen Betrag zugrunde, hätte sich Anis Amri maximal 6 Monate lang um zusätzlich 5670 € bereichern können. Vermutlich hatte Anis Amri aber deutlich weniger unrechtmäßig Sozialleistungen bezogen, was sich augenscheinlich auf den Monat November 2015 beschränkte und damit lediglich 135 € sein konnten. Selbst wenn er für alle 7 zusätzlichen Identitäten Sozialleistungen bezogen hätte, wären das gerade mal 810 € gewesen. Das soll nicht den Sozialbetrug relativieren und erst recht nicht den Terroranschlag.

Leider blieb eine Anfrage beim BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) unbeantwortet und man verwies auf die noch laufenden Ermittlungen.

Dieser Teil der Behauptungen des Herrn Petr Bystron besteht also überwiegend aus unbestätigten Mutmaßungen. Er bezieht die Möglichkeit des Sozialbetrugs in einem Fall auf eine unkontrollierte Einwanderungspolitik. Er impliziert somit, dass es keinen Sozialbetrug ohne Einwanderung geben würde und dass sie weiterhin unkontrolliert wäre. Das sind allerdings keine Fakten, sondern eigene, ziemlich überzogene Schlussfolgerungen.

 

 

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Start ins neue Jahr

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Ab dem 1. Januar 2017 werden auf dieser Internetpräsenz diverse Artikel erscheinen, die sich mit Sachverhalten beschäftigen, dessen Wahrheitsanspruch zumindest zweifelhaft erscheint.

FakeNews sind seit einiger Zeit allgegenwärtiger Bestandteil in sozialen Netzen und scheinen großen Einfluss auf Menschen auszuüben. Von Wahlmanipulationen bis hin zu Gewalttaten scheint inzwischen alles möglich zu sein, was zumindest indirekt auf solche Falschmeldungen zurück zu führen sein soll.

In unregelmäßigen Abständen werden hier Artikel erscheinen, die solche Fälle nach besten Wissen und Gewissen beleuchten. Jeder Hinweis und jegliche Erkenntnisse können von Nutzen sein und dürfen uns gerne mitgeteilt werden. Es werden ausschließlich Sachverhalte behandelt, die in Deutschland stattgefunden haben. Wir legen großen Wert auf Unabhängigkeit und bemühen uns, uns an Fakten zu orientieren. Eine politische Ausrichtung in den Artikeln soll vermieden werden. Wer lügt, wird der Lüge wegen entlarvt, unabhängig dessen politischer Ausrichtung.

Schwierig ist es, manipulative oder tendenziöse Meldungen als solche darzustellen. Denn es ist auch möglich, ohne wirklich zu lügen, durch Weglassen wichtiger Informationen oder mit plausibel klingenden Spekulationen Leute in die Irre zu führen. Es wird sicher nicht leicht, vollkommen objektiv und unvoreingenommen Falschmeldungen zu analysieren und offen zu legen. Wir hoffen, es bestmöglich zu erreichen…

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