Kürzlich unterlief dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, ein folgenschwerer Faux Pas. In der Talk-Sendung Markus Lanz wetterte er unter anderem gegen Alternativ-Medien wie Nius, denen man das Verbreiten von Falschnachrichten und Desinformation unterbinden müsse. Hierfür könnte er sich sogar eine Zensur solcher Medien vorstellen.
Die Sendung war quasi noch gar nicht zu Ende und doch entbrannte eine heftige Debatte um die Aussagen von Herrn Günther. Wie üblich gibt es jene, die seine Ansicht teilen und auch jene, die sie kritisieren. Jedoch interessanter ist im Nachgang die Feststellung, dass viele Leute, ja auch Medienvertreter, Politiker und sogar sogenannte Faktenchecker das von Daniel Günther Gesagte gar nicht so gehört haben wollen. Es geht auch nicht darum, was Daniel Günther „eigentlich“ sagen wollte oder wie er es gerne verstanden haben möchte. Es geht primär nur darum, was er in welchem Kontext gesagt hat und ob das zumindest für einen amtierenden Ministerpräsidenten noch tragbar ist.
Das Faktencheck- Portal Mimikama stellt den Kontext der Aussagen falsch dar. Denn tatsächlich lautete die Konversation folgendermaßen:
Markus Lanz fasste die Aussagen von Daniel Günther so zusammen:
Wir müssen das regulieren, wir müssen das notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.
Darauf antwortete Daniel Günther:
Ja
Etwa 2 Sekunden nach diesem klaren und spontanem „Ja“ hakte Markus Lanz, wohl etwas irritiert nach:
Darüber reden wir?
Daniel Günther konkretisierte seine Forderungen danach, ohne seine vorherige Antwort (Ja) in irgendeiner Weise zu dementieren:
Wir reden darüber, also Social Media darf (bis) 16Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden…
Eine rein formal- rethorische Analyse lässt keinen Zweifel daran, dass die Zustimmung mit „Ja“ zur Zensur die Faktenlage widerspiegelt.
Hier der Link zum Videobeitrag, wo ab Minute 10:50 die entscheidende Passage zu sehen und zu hören ist.
Die Darstellung von Mimikama ist also nachweislich nicht korrekt. Auch andere Protagonisten, die man eher dem „links-woken“ politischen Spektrum zuordnen kann, ohne dies jetzt abwertend zu deuten, verzerren die Fakten ebenfalls.

Link zum Volksverpetzer- Artikel
Der selbsternannte und preisgekrönte Faktenchecker verdreht selbst die Fakten. Es wird im Artikel einfach behauptet, „rechte“ Medien würden einen Shitstorm gegen Daniel Günther mit einem verkürzten Video initiieren, aber ein solches Video wird nicht verlinkt. Das braucht man gar nicht, denn das Original- Video beweist eindeutig, welche Aussagen Daniel Günther wann und worauf getätigt hat.

Geschickter als andere umschifft die TAZ die Verbreitung von Falschinformationen, indem die relevanten Passagen aus der Lanz- Sendung einfach weggelassen werden.
„JA zu einem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. JA zur Meinungs- und Pressefreiheit. Genau das habe ich am Mittwoch bei Markus Lanz gesagt“
Die TAZ zitiert lediglich den einen Tag danach von Günther nachgereichten Relativierungsversuch und geht gar nicht auf seine Zustimmung zur Zensur in der Markus Lanz- Sendung ein, so, als hätte es das „Ja“ dort nie gegeben.
So klingt es für die Leser, die das Original- Video nicht kennen, als wollten politische Gegner und alternative Medien eine Kampagne gegen Daniel Günther starten. Man kann das auch Desinformation nennen, also genau das, was Daniel Günther bei den Alternativmedien so scharf kritisiert und nun von der TAZ in Perfektion betrieben wird.
Nachweislich spart Nius & Co. nicht damit, Informationen so zu verpacken, dass der Wahrheitsanteil irrelevant wird. Das darf man Nius, Tichy, Apollo-News und vielen weiteren durchaus vorwerfen. Allerdings gilt das auch für jene angeblich seriösen Medien. Je nach Thema kann man entprechende Tendenzen erkennen, wie die jeweiligen Medien politisch manifestiert sind. Es wird so berichtet, wie man es politisch noch vertreten kann, keine Fakenews zu verbreiten. Und das sollte man den Medien vorwerfen, eben nicht neutral zu informieren. Auch durch das Weglassen von Details zu einem Sachverhalt, kann man den Informationsgehalt manipulieren. Was nützt ein eigener Pressekodex oder gelegentlich eine Rüge vom Deutschen Journalistenverband (DJV), wenn es völlig folgenlos für Medien bleibt, wenn sie Fakenews verbreiten. Zumindest damit hat Daniel Günther recht, aber Zensur sollte nicht das Mittel der Wahl sein.
Update 15.01.2026
Markus Lanz verteidigte in einer folgenden Sendung die Aussagen von Daniel Günther gegenüber Beatrix von Storch (AFD). Er, als derjenige, der die Frage stellte (Darüber reden wir?), stellte klar, dass Günther nicht Nius zensieren wollte, sondern Social Media als solches. Das könnte man so auch plausibel nachvollziehen, weil ja Günther im Nachhinein seine Forderungen präzisierte und das australische Modell hierfür heranzog. Dass es geschnittene Versionen der Lanz- Sendung gibt, die etwas anderes suggerieren, daran gibt es keinen Zweifel. (Hier im Artikel wird ausschließlich auf Original- Beiträge verlinkt.)
Wenn man allerdings im Kontext weiter nach vorn schaut, was auch Markus Lanz explizit macht, kann man durchaus die Zensurforderungen von Daniel Günther auf Nius & Co. beziehen.
Hier ein Transscript mit den wesentlichen Passagen ab Minute 8:45:
Ich meine, viele Medien orientieren sich ja mittlerweile auch an diesen ganzen sozialen Medien, indem sie selbst politische Agitation betreiben und ja nicht mehr Journalismus machen…
…ja, Brosius-Gersdorf zum Beispiel. Ich meine, wer hat denn dagegen geschossen, Nius und solche Portale. Und es gibt Abgeordnete meiner Union, die solche Portale lesen, so was teilweise sogar weiterschicken, die so was in WhatsApp-Gruppen verteilen…
…und dann dürfen wir halt auch nicht diesen Medien solche Steilvorlagen geben…
Daniel Günther hat sich sehr klar für ein AFD- Verbot ausgeprochen. Daher kann man die Zustimmung zum „Verbot“ auch unmittelbar diesem angestrebten AFD- Verbot zuordnen.
Daniel Günther hat zweimal die Altersgrenze von 16 Jahren für die Nutzung von Social Media erwähnt. Das wäre dann klar als Regulierung einzuordnen. Bleibt nun noch die Zensur. Was bleibt noch übrig, was Daniel Günther gern zensieren würde? Im gesamten Kontext der Sendung kann es sich hierbei nur noch um jene Medien handeln, die er in einem Fall sogar namentlich nennt (Nius). Er hätte das durchaus noch dementieren können, was jedoch nicht geschah.




